Aus Berlin nach Nausitz

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Berlin, den 25. November 23

Lieber Vater!

Dein Paket nebst Brief erhalten. Wir haben uns sehr dazu gefreut, und bedanken uns auch vielmals dafür. Wie ich aus deinem Briefe sehe, ist es zuhause auch mit der Arbeit schlecht bestellt. Nur den einen Vorteil haben die Leute, daß Sie da nicht so hungern brauchen wie in der Stadt, denn hier geht es manigen Leuten zum Gott erbarmen schlecht, kein Brot, keine Kartoffeln, keine Feuerung und nichts auf dem Leibe. Aber wie es aussieht, wird es noch viel schlechter werden, denn die Löhne sind noch weit hinter der Vorkriegszeit zurück, und alles Andere ist um das drei- und vierfache gestiegen, wo soll dabei ein Mensch exestieren, mit der Zeit kommen wir alle auf den Hund. Lieber Vater, wie ich sehe, seit Ihr zuhause soweit noch alle gesund und munter, bei uns geht es auch noch so leidlich, ich hatte mich vor 8 Wochen erkältet und kann den Husten und Schnupfen nicht wieder los werden. Wie ist dieses Jahr die Ernte ausgefallen? Doch hoffendlich gut, auch hat es wohl reichlich Kartoffeln gegeben, aber wie man allgemein hört werden sie sich sehr schlecht halten. Ich habe mir auch etliche Centner gekauft, aber muß den größen Teil wechschneiden, denn Sie sind sehr schlecht und faulen von innen aus. Ich hatte mir vorgenommen, Euch zu Weihnachten zu besuchen, aber wie es aussieht, wird es wohl nichts werden, denn es ist alles zu teuer geworden, vieleicht ist es dir möglich, uns auch einmal zu besuchen, denn an der Zeit kann es dir doch wohl nicht fehlen. Ich werde schließen in der Hoffnung, daß die bar Zeilchen bei bester Gesundheit ankommen wie sie uns verlassen. Lieber Vater bleib wohl gesund und sei von uns Allen sehr herzlich gegrüßt. Viele Grüße an Marta nebst ihren Gemahl und Kinder. Schreibt bald wieder einmal.

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