Mieter. Und Wanzen.

Brief an RA Loeper, 1955, Seite 1

Gehofen, den 25. April 1955

Herrn
Rechtsanwalt L o e p e r
A r t e r n/Unstrut
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            Unserem Hause sind am 1.12.49 von der hiesigen Gemeinde zwei Personen als Mieter zugewiesen worden; und zwar die Frl. Adelheid J. und Lucie J.
            Dieses Mietverhältnis gestaltet sich seit Jahren immer schwieriger, sodaß wir nunmehr bitten, Räumungsklage zu erheben.
            Der erste Zusammenstoß erfolgte im Frühjahr 1950 als die Mieter J. vom Betriebsvorarbeiter aufmerksam gemacht wurden an diesem Tage keine Wäsche auf dem Ziegeleihof zu trocknen, da Kohlen zur Abladung kommen sollten. Das Resultat war, daß, meine Familie mit den wüsteten Beschimpfungen bedacht wurden.
            Später stellte meine Frau (Frieda K.) fest, daß die Mieter J. Wanzen mit in die Wohnung gebracht hatten, auf Vorhaltung erfolgte wieder das übliche Schimpfen.
            Des weiteren benutzt die Lieterin Lucie J. seit ihrem Einzug den vorhandenen Abort noch nicht ein einziges mal, die Mieterin Adelheid J. nur sehr mangelhaft. Alle diese Geschäfte werden in der Wohnung verrichtet. Alle Unsere Ermahnungen, die Ermahnungen vom Gesundheitsamt u.s.w. blieben bis heute ohne Erfolg. Wir können diese Zustände nun auf keinen Fall mehr dulden; zumal wir ja noch einen Betrieb unterhalten, Arbeitskräfte beschäftigen und immer Personenverkehr haben.
            Wird in der Wohnung meiner Mutter oder meiner eigenen Wohnung ein Fenster geöffnet, erhebt sich wieder die wüste Schimpferei, obwohl doch nach meiner Ansicht jeder Hausbewohner das Recht seine Wohnungsfenster zu öffenen und zu schließen wann er will.
            In einem an die Wohnung J. angrenzenden Zimmer schläft eines meiner Kinder, dieselben werden dauernd beschimpft und bedroht, daß dieselben keine Nachtruhe finden können. Zuerst schlief in diesem Zimmer meine ältere Tochter Adeltraut welche zur Oberschule nach Rossleben geht, klingelt hier früh 5 Uhr der Wecker, wieder ein Geschimpf. Jetzt schläft die jüngere Tochter Christine in diesem Zimmer immer noch keine Ruhe, diese Beschimpfungen; besonders von der Mieterin Lucie J., gehen soweit, daß die Kinder sich um ihr Leben bedroht befühlen. Es fallen Ausdrücke wie; ihr musst noch auf dem Mist schlafen, oder ich setze euch den roten Hahn aufs Dach u.s.w.
            Am übelsten bedroht von der Mieterin Lucie J. wird meine 75 jährige Mutter Frau Martha K. hier artet der Unfrieden soweit aus, daß meine Mutter tätlich bedroht und angerempelt wird.
            Die Mieterin Lucie J. scheut sich sogar nicht vom Fenster herunter zu rufen; ich werde schon noch dafür sorgen, daß ihnen der ganze Besitz enteignet wird. Unzählige Briefe hat dieselbe schon an alle möglichen Instanzen gerichtet. Der Rat der Gemeinde Gehofen hat alles Geschreibsel zur Beantwortung erhalten.
            Auch unser Hund ist vor den Mietern nicht sicher, bellt er, was natürlich ein wachsamer Hund tut, erhebt sich jedesmal das wüste Geschimpfe.
            Brief an RA Loeper, 1955, Seite 2Über alle möglichen und unmöglichen Dingen haben sich die Mieter J. nun schon beschwert. Alle erreichbaren Stellen haben diese Mieter nun schon auf uns gehetzt. Da natürlich die Mieter J. von keiner Stelle Recht erhalten, lassen dieselben ihren bösen Geist an meiner Familie immer mehr austoben.
            Wir bitten notfalls einen Bericht über diese Zustände vom Stellv. Vors. des Rat des Kreises Artern Frau Kolata einzuholen, welche am 25.Aug.1954 hier an Ort und Stelle sich Aufklärung holte, ebenso von der Gemeindeverwaltung Gehofen, sowie dem ABV-Wachtmstr. Schuler, Gehofen und dessen Bericht vom 9.4.cr.
            Nach unseren Erfahrungen sind den Mietern J. vom Bürgermeister in Gehofen schon verschiedenlich andere Wohnungen angeboten worden, dieselben lehnen aber immer ab.

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